Gedenken an Hermann Scheer

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Mit einem Symposium am 14. Oktober 2011 gedachten die Hermann-Scheer-Stiftung, der SPD-Parteivorstand und die SPD-Bundestagsfraktion gemeinsam an Hermann Scheer, der mit Mut, Weitblick und Entschlusskraft die Energiewende vorantrieb. 
 
Mit er Erinnerung an Hermann Scheer eng verknüpft ist der Gedanke an ein gewaltiges Lebenswerk. Es ist gekennzeichnet von Themenvielfalt, Kreativität, Mut zu Unerprobtem, Konzepten und Lösungswegen für drängende Herausforderungen unserer Zeit und es ist heute aktueller denn je.
 
Die Zukunftsfestigkeit seines Werkes lässt sich besonders deutlich an der Entwicklung der Erneuerbaren Energien in Deutschland, mit weltweiter Ausstrahlungswirkung, erkennen.
 
Die Einführung Erneuerbarer Energien mit einem Anteil von heute fast 19 Prozent am bundesweiten Stromverbrauch gelang weitgehend durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Das EEG, international auch als „Scheer’s law“ bekannt, dient als Hebel zur Öffnung eines von atomar-fossiler Monopolwirtschaft geprägten Energiemarktes. Es ist ein herausragendes Beispiel dafür, dass die Vorreiterfunktion ein wichtiger gestalterischer Mechanismus ist, der globale Nachahmeffekte auszulösen vermag.
 
Energiepolitisch steht Hermann Scheer für das Ziel einer weltweiten Vollversorgung durch erneuerbare Energien. Neben der Problematik des Klimawandels war er schon früh überzeugt, dass bereits aus Gründen der fossilen Ressourcenverknappung, dies die wohl einzige Möglichkeit sei, die Menschheit vor sozialen Verwerfungen, Kriegen um die letzten fossilen Reserven zu bewahren sowie die Zivilisationen auf einen gerechten, menschenwürdigen und die Umwelt erhaltenden Weg zu führen.
 
Er steht konzeptionell aber auch für den Weg, wie eben dieses Ziel schnell und ökonomisch sinnvoll zu erreichen sei: Er erkannte, dass ein gesellschaftlicher Wandel nur durch und mit den Menschen vor Ort vorgenommen werden kann. Er erkannte die Dimension der gesellschaftlichen Teilhabe als Motor für diese Entwicklung und er erkannte, dass die von der fossil-atomaren Energieversorgung geprägten Strukturen für die Erneuerbaren Barrieren und Umwege darstellen. Er erkannte, dass eine dezentrale Energieversorgung durch Erneuerbare Energien auch in Deutschland zu 100 Prozent möglich ist.
 
Er erkannte, dass das Solarzeitalter – und hierbei steht „Solar“ immer für alle auf die Energie der Sonne zurückzuführenden erneuerbaren Quellen – eines politischen gesellschaftlichen Aufbruchs bedurfte.
Und so gründete er 1988 gemeinsam mit seiner Frau, Irm Scheer-Pontenagel, EUROSOLAR, die Europäische Vereinigung für Erneuerbare Energien, unterstützt von vielen weiteren engagierten Akteuren.
 
Im Rahmen des hier gestärkten zivilgesellschaftlichen Engagements wurden unter anderem Initiativen für die „Energiewende“, die „Solare Weltwirtschaft“, die „Energieautonomie“ und den „Landwirt als Energie- und Rohstoffwirt“ aufgebaut und gebündelt, Begriffe, die für Hermann Scheer teilweise zu Buchtiteln wurden.

Dr. Nina Scheer, Vorstand Hermann-Scheer-Stiftung (Ehrenamt), spricht im Willy-Brandt-Haus in Berlin. Am Todestag von Hermann Scheer greift ein Symposium energiepolitische Fragen auf, wie sie sich auf dem Weg in das Zeitalter der erneuerbaren Energien stellen. (Bild: SPD)

 

Er ist auch der Urheber der IRENA, International Renewable Energy Agency, für deren Entstehen er sich nahezu zwei Jahrzehnte einsetzte.

Hermann Scheer war Visionär und Vordenker. Das Lebenswerk eines Vordenkers zu würdigen, beinhaltet die Erkenntnis, dass mit der Würdigung für dessen Nachwelt die Aufgabe der Umsetzung erwächst.

Hierbei kann man sich an zwei Leitfäden orientieren, die seinem Wirken zu entnehmen sind: die Ultima Ratio der stimmigen Ausgangsprämisse und das Überwinden von aus sich heraus nicht zu rechtfertigenden Denkbarrieren.

Sie finden sich wieder, etwa in seinen folgenden Worten:

"Die schnelle und umfassende Einführung Erneuerbarer Energien heute garantiert, dass wir morgen eine umweltfreundliche, sichere und kostengünstige Energie für alle haben."

Hierin enthalten sind klare Prämissen, klare Ziele und ebenso klare Umsetzungsschritte. Eben diese Klarheit, mit der Ideale und Werte verknüpft sind und für die es sich zu streiten lohnt, fehlt heute vielen Menschen, die sich dann vom politischen Geschehen resigniert abwenden oder aber eine eigene Partei gründen. Aus der Perspektive der Volksparteien sollte man sich vielleicht weniger fragen, was der Bürger an Veränderungen verträgt, als vielmehr für welche Ziele er bereit ist, Veränderungen und Einschnitte hinzunehmen.

Mit Fukushima und dem darauffolgenden Atomausstieg in Deutschland scheint eine solche wertegebundene Veränderung vorgenommen.

Für das Energiepaket in 2011 insgesamt trifft dies allerdings nicht zu. Mit dem Netzausbaubeschleunigungsgesetz und einigen weiteren Maßnahmen, werden zentralisierte, auf Übertragungsnetze und Offshore ausgerichtete, Strukturen gestärkt und damit eine Entschleunigung der Energiewende riskiert oder gar veranlagt.

Problematisch ist dabei auch, dass durch die Komplexität entsprechender Gesetzespakete  Entscheidungen vorgenommen wurden, die aufgrund der Masse an Regelungswerken – zumal im Schatten des Atomausstiegs - weitgehend undiskutiert blieben. 

Hermann Scheer setzte sich immer für ein starkes und selbstbestimmtes Parlament ein, von dem Initiativen wie das <acronym title="Erneuerbare-Energien-Gesetz">EEG</acronym> – einem Parlamentsgesetz - ausgehen. Er schmiedete fraktionsübergreifende Allianzen und stand für einen mündigen Abgeordneten, der sich und die parlamentarische Arbeit nicht von vermeintlichen Sachzwängen beeinflussen ließ.

Mit dem Symposium im Gedenken an Hermann Scheer aus Anlass seines Todestages werden gesellschaftliche Herausforderungen benannt, die sich uns im Lichte einer wertebasierten Energiewende stellen.

Ein Gedenken an Hermann Scheer legt nahe, eine ganze Reihe politischer Themenfelder zu behandeln.

Der gemeinsame Nenner seiner politischen Arbeit waren Ideale und Werte: Das Eintreten für Gerechtigkeit, die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung und Solidarität. Dabei setzte er sich immer wieder mit Handlungsstrukturen auseinander, um Übertragungswege gesellschaftlicher Interessen auf politische Programmatik zu optimieren.

Nehmen wir die Würdigung ernst, Hermann Scheer begleitet uns.

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