„Die schnelle und umfassende Einführung Erneuerbarer Energien heute garantiert, dass wir morgen eine umweltfreundliche, sichere und kostengünstige Energie für alle haben.”

Dr. Hermann Scheer (29.04.1944 - 14.10.2010)

Im Gedenken an Hermann Scheer

Veranstaltungen, Videodokumentation und Gedenkschrift

Am 29. April 2014 wäre Hermann Scheer 70 Jahre alt geworden. 
Der Träger des Alternativen Nobelpreises wurde im Alter von 66 Jahren mitten aus einem Leben voller Ideen und Initiativen gerissen. In über dreißig Jahren als Abgeordneter konnte er mit Mut, Weitblick und Entschlusskraft auf vielen Feldern den politischen Diskurs des Landes prägen. Allem voran hat der EUROSOLAR-Ehrenpräsident die Energiewende Wirklichkeit werden lassen, die er früh als ökologisch und auch friedenspolitisch notwendig erkannt hatte. Er war Vordenker und Antreiber, Reformer und Revolutionär. Mit der Erinnerung an ihn verknüpft ist der Gedanke an ein gewaltiges Lebenswerk.
Aus diesem Anlass finden am 26. April 2014 in Eberswalde (bei Berlin) das "Symposium im Gedenken an Hermann Scheer" im Zentrum für Erneuerbare Energien und am 29. April 2014 in Waiblingen (bei Stuttgart) ein "Politischer Abend: Hermann Scheer - was bleibt" statt.

 

 

Videodokumentation:

Am 30.09.2010, nur wenige Tage vor seinem unerwarteten und viel zu frühen Tod, hielt Hermann Scheer die Keynote bei dem Kongress der Rosa-Luxemburg-Stiftung "Power to the people". Auf seinen Vortrag möchten wir  hier anlässlich seines 70. Geburtstags nochmals aufmerksam machen.

In seinem sehr engagierten Vortrag erklärt Hermann Scheer die Grundlagen und die Konsequenzen unseres Energiesystems und demaskiert die Energiedebatten, die mehr verschleiern als sie enthüllen. Von der Prämisse ausgehend, dass Energie eben nicht gleich Energie ist, veranschaulicht er deutlich und hochaktuell, welchen Einfluss die Wahl des Energieträgers auf die Entwicklung des gesellschaftlichen Energiesystems hat und dass der Wechsel zu Erneuerbaren Energien notwendigerweise einen Systemkonflikt erzeugt. Die Ausbeutung „unterirdischer“ fossiler und atomarer Energieträger führt notwendigerweise zu einem zentralistischen und monopolhaften Energiesystem globaler Großkonzerne. Regierungen geraten in deren Abhängigkeit und führen immer wieder Ressourcenkriege zur Absicherung und Aufrechterhaltung eines Systems, welches längst an seine Grenzen stößt und die gesamte Zivilisation akut gefährdet. Daher kann die einzige vernünftige Lösung nur im beschleunigten Ausbau eines dezentralen und auf Erneuerbaren Energien basierenden Energiesystems bestehen. (Die Veröffentlichung der Aufnahme erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rosa-Luxemburg-Stiftung)

>> Video abspielen

 

 

Gedenkschrift:

Zur Würdigung der Lebensleistung von Hermann Scheer haben EUROSOLAR und die Hermann-Scheer-Stiftung eine Gedenkschrift mit Beiträgen von Weggefährten Hermann Scheer's verfasst. Die hier zusammengefassten Blickwinkel auf das Lebenswerk von Hermann Scheer entstanden größtenteils unmittelbar nach seinem Tod, wie etwa in Form solcher Nachrufe, die am 1. 11. 2010 im Rahmen der Gedenkfeier verlesen wurden.

>> zur Gedenkschrift

 

 

Zitatsammlung:

Zitatsammlung von Dr. Hermann Scheer aus seinen Büchern:

"Keine Energie kann so schnell verfügbar gemacht werden wie die Erneuerbaren Energien, wenn wir nur wollen" (2006)

"Damit Menschen und Natur wieder auf einen Nenner kommen, dürfen die Menschen nur dieselbe Energie wie die Natur nutzen: Die Energie der Sonne" (2005)

"Die Mehrkosten für die Erneuerbaren Energuien von heute sind vermiedene Umweltschäden und niedrige Energiekosten von morgen" (2004)

"Der unverzügliche Wechsle zu Erneuerbaren Energien ist keine Last, sondern die größte greifbare soziale und wirtschaftliche Zukunftschance"

Zur Photovoltaik: "Die Umwandlung von Sonnenlicht zu Strom ist die wichtigste Zukunftstechnologie der Menschheit" (2010)

"Knapp sind nicht die Erneuerbaren Energien, knapp ist die Zeit"

Zu Atomkraft: "Weil nicht passieren darf, was passieren kann, darf eine Technologie nicht eingesetzt werden" (2010)

Die Bücher von Hermann Scheer finden Sie hier.

 

 

Veranstaltungen:

"Symposium im Gedenken an Hermann Scheer"

26. April 2014, Hermann-Scheer-Zentrum für Erneuerbare EnergienEberswalde
Veranstalter: Zentrum für Erneuerbare Energien, Hermann-Scheer-Stiftung

Die Einladung zum Symposium im Gedenken an Hermann Scheer finden Sie hier.

Anmeldungen bitte per Mail an info [at] hermann-scheer-stiftung.de

 

"Politischer Abend: Hermann Scheer - was bleibt"

29. April 2014, Bürgerzentrum Waiblingen (bei Stuttgart)
VeranstalterSPD-Rems-Murr und der SPD-Ortsverein Waiblingen

Die Einladung zu der Veranstaltung finden Sie hier.

Gedenken an Hermann Scheer

Mit der Erinnerung an Hermann Scheer eng verknüpft ist der Gedanke an ein gewaltiges Lebenswerk. Es ist gekennzeichnet von Themenvielfalt, Kreativität, Mut zu Unerprobtem, Konzepten und Lösungswegen für drängende Herausforderungen unserer Zeit und es ist heute aktueller denn je.
 
Die Zukunftsfestigkeit seines Werkes lässt sich besonders deutlich an der Entwicklung der Erneuerbaren Energien in Deutschland, mit weltweiter Ausstrahlungswirkung, erkennen.
 
Die Einführung Erneuerbarer Energien mit einem Anteil von heute fast 19 Prozent am bundesweiten Stromverbrauch gelang weitgehend durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Das EEG, international auch als „Scheer’s law“ bekannt, dient als Hebel zur Öffnung eines von atomar-fossiler Monopolwirtschaft geprägten Energiemarktes. Es ist ein herausragendes Beispiel dafür, dass die Vorreiterfunktion ein wichtiger gestalterischer Mechanismus ist, der globale Nachahmeffekte auszulösen vermag.
 
Energiepolitisch steht Hermann Scheer für das Ziel einer weltweiten Vollversorgung durch erneuerbare Energien. Neben der Problematik des Klimawandels war er schon früh überzeugt, dass bereits aus Gründen der fossilen Ressourcenverknappung, dies die wohl einzige Möglichkeit sei, die Menschheit vor sozialen Verwerfungen, Kriegen um die letzten fossilen Reserven zu bewahren sowie die Zivilisationen auf einen gerechten, menschenwürdigen und die Umwelt erhaltenden Weg zu führen.
 
Er steht konzeptionell aber auch für den Weg, wie eben dieses Ziel schnell und ökonomisch sinnvoll zu erreichen sei: Er erkannte, dass ein gesellschaftlicher Wandel nur durch und mit den Menschen vor Ort vorgenommen werden kann. Er erkannte die Dimension der gesellschaftlichen Teilhabe als Motor für diese Entwicklung und er erkannte, dass die von der fossil-atomaren Energieversorgung geprägten Strukturen für die Erneuerbaren Barrieren und Umwege darstellen. Er erkannte, dass eine dezentrale Energieversorgung durch Erneuerbare Energien auch in Deutschland zu 100 Prozent möglich ist.
 
Er erkannte, dass das Solarzeitalter – und hierbei steht „Solar“ immer für alle auf die Energie der Sonne zurückzuführenden erneuerbaren Quellen – eines politischen gesellschaftlichen Aufbruchs bedurfte.
Und so gründete er 1988 gemeinsam mit seiner Frau, Irm Scheer-Pontenagel, EUROSOLAR, die Europäische Vereinigung für Erneuerbare Energien, unterstützt von vielen weiteren engagierten Akteuren.
 
Im Rahmen des hier gestärkten zivilgesellschaftlichen Engagements wurden unter anderem Initiativen für die „Energiewende“, die „Solare Weltwirtschaft“, die „Energieautonomie“ und den „Landwirt als Energie- und Rohstoffwirt“ aufgebaut und gebündelt, Begriffe, die für Hermann Scheer teilweise zu Buchtiteln wurden.

Er ist auch der Urheber der IRENA, International Renewable Energy Agency, für deren Entstehen er sich nahezu zwei Jahrzehnte einsetzte.

Hermann Scheer war Visionär und Vordenker. Das Lebenswerk eines Vordenkers zu würdigen, beinhaltet die Erkenntnis, dass mit der Würdigung für dessen Nachwelt die Aufgabe der Umsetzung erwächst.

Hierbei kann man sich an zwei Leitfäden orientieren, die seinem Wirken zu entnehmen sind: die Ultima Ratio der stimmigen Ausgangsprämisse und das Überwinden von aus sich heraus nicht zu rechtfertigenden Denkbarrieren.

Sie finden sich wieder, etwa in seinen folgenden Worten:

"Die schnelle und umfassende Einführung Erneuerbarer Energien heute garantiert, dass wir morgen eine umweltfreundliche, sichere und kostengünstige Energie für alle haben."

Hierin enthalten sind klare Prämissen, klare Ziele und ebenso klare Umsetzungsschritte. Eben diese Klarheit, mit der Ideale und Werte verknüpft sind und für die es sich zu streiten lohnt, fehlt heute vielen Menschen, die sich dann vom politischen Geschehen resigniert abwenden oder aber eine eigene Partei gründen. Aus der Perspektive der Volksparteien sollte man sich vielleicht weniger fragen, was der Bürger an Veränderungen verträgt, als vielmehr für welche Ziele er bereit ist, Veränderungen und Einschnitte hinzunehmen.

Hermann Scheer setzte sich immer für ein starkes und selbstbestimmtes Parlament ein, von dem Initiativen wie das EEG – einem Parlamentsgesetz - ausgehen. Er schmiedete fraktionsübergreifende Allianzen und stand für einen mündigen Abgeordneten, der sich und die parlamentarische Arbeit nicht von vermeintlichen Sachzwängen beeinflussen ließ.

Ein Gedenken an Hermann Scheer legt nahe, eine ganze Reihe politischer Themenfelder zu behandeln.

Der gemeinsame Nenner seiner politischen Arbeit waren Ideale und Werte: Das Eintreten für Gerechtigkeit, die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung und Solidarität. Dabei setzte er sich immer wieder mit Handlungsstrukturen auseinander, um Übertragungswege gesellschaftlicher Interessen auf politische Programmatik zu optimieren.

Nehmen wir das Gedenken ernst, Hermann Scheer begleitet uns.